TVLogo vom 31.10./01.11.2000:

"Viele gute und schlechte Beziehungen gesehen"
Heiko Engelkes berichtet über seine Tätigkeit als Fernsehkorrespondent in Frankreich

Heiko Engelkes
Foto: Sandra Overwin

KONZ. (so) 17 Jahre lang war Heiko Engelkes Fernsehkorrespondent in Frankreich. Über seine Erlebnisse berichtet er in seinem zweiten Buch "Bonjour, Paris. Mein Leben mit Frankreich", das er in der Konzer Stadtbibliothek vorstellte.

Zwölf Zeilen und 90 Sekunden – an diese Vorgaben musste sich Engelkes bei jedem seiner vielen Fernsehbeiträge halten. Hintergründe und Erlebnisse kamen oft zu kurz. Bei seinem Buch habe er jetzt endlich aus dem Vollen schöpfen können, erklärte der 67-Jährige. Ein ganzes Jahr lang hat er an seinem Werk geschrieben und sogar noch die neuesten politischen Geschehnisse mit aufgenommen.

Im Rahmen der Kulturtage 2000 des Landkreises Trier-Saarburg erzählte Heiko Engelkes in der Konzer Stadtbibliothek von seinen amüsanten und spannenden Erlebnissen bei der Berichterstattung über deutsche und französische Politik.

Zum Schmunzeln brachte der Vollblutjournalist seine Zuhörer mit der Geschichte über Gerhard Schröders Besuch in Paris, als dieser noch Ministerpräsident in Niedersachsen war und sich, wie Engelkes weiß, "noch niemand so richtig für ihn interessierte". Nachdem er 1974 als Korrespondent für die ARD nach Paris gekommen war, erlebte Engelkes zahlreiche Aufeinandertreffen deutscher und französischer Staatsmänner. "Ich habe viele gute und viele schlechte Beziehungen gesehen", erinnert er sich. Bei Engelkes' Erzählungen kann man erahnen, wie sehr die "zwischenmenschliche Chemie" die Politik zweier Länder beeinflussen kann. Sein Interesse für deutsch-französische Beziehungen wurde beim Besuch Charles de Gaulles 1963 in Bonn geweckt. Trotz offiziellen Verbots hatte es der frisch gebackene Journalist damals mit List und Tücke geschafft, drei Fragen an den französischen Staatsmann zu richten.

Im selben Jahr trat er der Redaktion der Tagesschau bei und machte seine Beiträge bald zum unverzichtbaren Bestandteil der Nachrichten.

Gern erinnert sich Engelkes an die Besuche verschiedener deutscher Politikgrößen in Paris. So weiß er zum Beispiel, dass einige "altgediente Diplomaten" bei Joschka Fischers Antrittsbesuch Wetten abschlossen, ob der Außenminister, der sich seit 24 Stunden im Amt befand, wohl Turnschuhe tragen würde. Die Berichte des gebürtigen Ostfriesen regen jedoch nicht nur zum Schmunzeln an, sondern geben auch einen tiefen und interessanten Einblick in das schwierige Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich.

Für seine Berichterstattung wurde Engelkes 1987 in Frankreich zum "Ritter der Ehrenlegion" ernannt und für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft 1999 mit dem Adenauer-de-Gaulle-Preis geehrt.

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